SEM 2019


Am Samstag, 16. November 2019, brach Pascal Chuard, Gürtel- und Wettkampftrainer der Judoschule und des Vereins Wettkampf Judo Regensdorf, zu seiner Mission „Gold an der Judo Schweizereinzelmeisterschaft“ auf. Vor 18 Jahren holte er die Silbermedaille an der SEM in La-Chaux-de-Fonds. Im vergangenen Jahr holte er die Bronzemedaille bei den Masters 30+ in St. Gallen. Der Meistertitel war also das erklärte Ziel. Die Vorbereitungen dazu verliefen bis im Spätsommer nach Plan. Dann allerdings gab es den ersten Rückschlag in Form einer Verletzung am linken Schultermuskel. Da Chuard Linkskämpfer ist, stellte dies ein enormes Problem dar. Dank guten Physiotherapeuten heilte die Verletzung gut, zog sich aber trotzdem über mehrere Monate hin. Mitte Oktober dann konnte er das Training wieder aufnehmen. Die Schulter machte mit, was zu neuer Hoffnung verhalf. Dann kam die Grippewelle und diese machte auch vor Chuard nicht Halt. Obwohl gesundheitlich angeschlagen, machte er sich dennoch nach Magglingen auf. Die lange Vorbereitung sollte nicht umsonst gewesen sein.

 

Pünktlich um 7.30 Uhr traf er in der Halle „End der Welt“ ein. Ab da machten ihm seine Nerven wieder zu schaffen. Seine Gegner waren zuvor schon bekannt gewesen. Ein Überraschungsgegner gab es dann vor Ort aber doch noch. Ein gemeldeter -90kg Kämpfer war zu schwer für seine Kategorie und wurde in die +90kg Gruppe eingeteilt. Somit lagen vier Begegnungen vor Chuard.

 

Als erstes traf er auf den Deutschen Judoka René Täuscher. Bei ihrer letzten Begegnung während der Schweizermannschaftsmeisterschaft konnte Chuard seinen Gegner klar bezwingen. Aber an einer SEM ist alles anders. Dessen war er sich nur allzu gut bewusst. Eher verhalten ging er in die Begegnung. Ein erstes Abtasten fand statt. Die Schulter machte mit, ebenso die Kondition. Allerdings gelang es keinem der Beiden, eine Wertung zu erzielen. Letztlich gewann Chuard den kräftezehrenden Kampf nachdem Täuscher das dritte Shido wegen Inaktivität und Ausweichen erhalten hatte.

 

Der zweite Gegner war Thomas Furrer, der amtierende Schweizermeister. Die Partie verlief lange ausgeglichen bis Furrer eine kleine Unaufmerksamkeit von Chuard ausnutzen und sich ein Waazari holen konnte. Diese Wertung brachte er über die Zeit womit diese Begegnung an Furrer ging.

 

Im dritten Kampf stand Chuard dem nachgerückten Michael Fritz gegenüber. Die beiden kräftezehrenden Kämpfe zuvor hatten jedoch ihre Spuren hinterlassen. Die Schulter hielt dem Druck stand, doch die muskuläre Verhärtung im linken Unterarm tauchte wieder auf. Mit diesen Verhärtungen hatte Chuard schon im vergangenen Jahr zu tun. Durch gezieltes Training konnte das Problem bis zur Schulterverletzung kontrolliert werden. Dank zwei Waazari-Wertungen konnte Chuard diesen Kampf jedoch nach 1:33 Minuten doch noch zu seinen Gunsten entscheiden.

 

Da Furrer alle seine Kämpfe gewinnen konnte, ging es in der letzten Begegnung von Chuard gegen das Kraftpaket Youssef Hibaoui um den zweiten oder dritten Platz. Die drei vorherigen Partien machten Chuard deutlich zu schaffen. Der linke Unterarm war total verhärtet und er konnte kaum noch Druck auf sein Griff ausüben. Dennoch legte Chuard seine letzten Kräfte in diesen letzten Kampf. Hibaoui hatte bisher auch keinen einfachen Weg gehabt und nur einen der drei Begegnungen gewinnen können. Keinem der beiden Judokas gelang es, einen Angriff komplett durchzuziehen. Chuard konnte aber dennoch so viel Druck auf sein Gegner ausüben, dass dieser den Kampf letztlich nach 2:15 Minuten aufgrund von drei Shidos vorzeitig verlor.

 

Somit endete die Schweizereinzelmeisterschaft 2019 für den Regensdorfer Kämpfer mit einer hart erkämpften Silbermedaille. „Ich bin mit dem Resultat nicht ganz zufrieden“ sagt Chuard. „Das Ziel war klar der 1. Platz und den habe ich nicht erreicht. Natürlich hat die Gesundheit nicht ganz mitgespielt, aber auch mental war ich nicht auf der Höhe. Unter den gegebenen Umständen habe ich das bestmöglichste herausgeholt. Wer mich kennt weiss jedoch, dass ich sehr ehrgeizig bin. Ich bin dankbar für die Silbermedaille und dass ich die SEM grösstenteils verletzungsfrei absolvieren konnte, meine Leistung ist aber auf jeden Fall noch steigerungsfähig. Die nächste SEM wird vermutlich in Chiasso stattfinden. Dorthin werde ich allerdings nur dann hinreisen, wenn die Voraussetzungen optimal sind. Die diesjährige SEM hat klar gezeigt, dass ein Turniersieg nur dann vollbracht werden kann, wenn ich im Vollbesitz meiner Kräfte bin. Das Ziel ist jedoch nach wie vor, den Medaillensatz endlich vervollständigen zu können.“